Strombad Kritzendorf

Eckpunkte der historischen Geschichte


H.Wilfan, Kulturinsel Strombad Kritzendorf 2024 (Quellen: sofern nicht anders angegeben: eigene Recherchen, L.Fischer:Riviera a.d.Donau, Stadtarchiv Klosterneuburg)


Ø  1900 - Gründung des Verschönerungsvereins „Die Linde“ (nach dem Baum vor der Kirche). Gründer: Karl Völkel (zugezogen und v 1900-1919 Bürgermeister)
Ø  1902 – Beschluss, Strombad zu errichten
Ø  1903 – Vertrag zw. „Die Linde“ und Chorherrenstift um 2 Kronen/ Jahr (!)                 Bewilligung: 30.6.1903.
Ø  1905 – Bad an Gemeinde Kritzendorf übergeben (samt Schulden) zu dieser Zeit bestehen bereits etliche, spartanische Badehütten.
Ø  Von 1907 bis 1914 mietete sich Leo Trotzky in der Hauptstrasse 28 ein. Weitere bekannte Besucher waren u.a: Ludwig Anzengruber, Lina Loos, Peter Altenberg, Heimito v. Doderer, Hilde Spiel,….
Ø  1921 – Kritzendorfer Sportklub (KSK). Vereinsorgan: „Stadion“ (250 Mitglieder)
Ø  1922 – Weitere Grundstücke wurden zugepachtet (u.a: Bauansuchen für Klubhaus am Sportplatz, v. Julius Wohlmuth. Fertigstellung ca. 1924)


Ø  1924 , 1927, 1928 – Erweiterungen.

Ø  1925 bestanden: 376 Saisonkabinen, 310 Tageskabinen, 326 Herrenkästchen, 363 Damenkästchen und 377 Hütten.

Ø  1926 – ein eigenes Theater wird geplant (allerdings nie realisiert)

Ø  1927 Ausschreibung – Brücke und Rondeau: Rolling und Wohlmuth.

Ø  1927 AFA – Film: „Wochenendzauber – ich hab mein Herz in Kritzendorf verloren“ (Regie: Rudolf Walter Fein) -> 1947: „Kind der Donau“, Revuefilm mit Marika Röck.

Ø  Ab 1928 – viele Villen, Strand- und Weekendhäuser, eigene Zeitung: Vereinigte Donaubäder Zeitung“.

 Ø  1928 Komitee der schreibenden Zunft schenkt Marcel Zappler  das erste (zum Selbstkostenpreis eigens errichtete) KAWAFAG Haus. In der Folge entstehen etliche derartige Fertigteilhäuser in mehreren Varianten.

Ø  1929 Klubhaus ist Gasthaus „Erker“ (mit Jazz und Tanz jeden Do, Sa, So), Bootsanlegesteg beim Gasthaus Lanzendörfer (heute: Fischer) mit täglich 20 Schiffen. Gratis baden konnte man am Silbersee und im Durchstich. Es gab ein „Zillentaxi“ zwischen Durchstich und Silbersee (J.V. Kastner: Djungel-Tagebuch)

Ø  Bis 1929 – sozialdemokratischer Bürgermeister „Neuhauser“. 1929 wurde „Johann Schattner“ mit Hilfe der NSDAP Bürgermeister! (1931 gab es einen Misstrauensantrag der NSDAP gegen ihn, er blieb jedoch bis 1938 im Amt)

Ø  1929/30 „Eiszeit“. Eisblöcke schieben sich ins Bad und bleiben z.T. bis zum Hochsommer.


Ich hab einen Onkel in Kritzendorf, der leider das Bad nicht benützen dorf….(Karl Farkas)

 

Ø  1933 – NS Unruhen mit Flugzetteln und Hackenkreuzfahne an Stromleitung.

Ø  1934 – Ausgehverbot nach 21h

Ø  1935 – Pachtrückstände, Pfändungen, Einbrüche, Selbstmorde.

Ø  1938 – Anwalt Dr. Marcel Halfon, Obmann des „Bundes der Hüttenbesitzer im Donaustrandbad Kritzendorf“ begeht selbstmord.

Ø  NS-Gemeindeverwalter: „Fritz Marton“. Verfügung vom 20.3.1938: „Für Juden Eintritt verboten“.

Ø  Zur Linde aufgelöst

Ø  Bibliothek an Volksschule verschenkt.

Ø  Sportklub aufgelöst.

Ø  Jüdische Hausbesitzer (ca 80%) wurden aufgefordert, ihre Häuser binnen 24 Stunden (!) abzutragen, oder diese zum Abbruchwert der Gemeinde abzutreten.


1945 – Rückarisierung: „Hans Reif“ der aufgrund seines Engagements gegen Plünderungen und Unruhen zum provisorischen sozialdemokratischen Bürgermeister und Badeverwalter ernannt wurde, verfügte die sofortige Enteignung sämtlicher Nazis und versuchte, die rechtmäßigen Eigentumsverhältnisse wiederherzustellen. Doch die meisten der Vertriebenen wollten nicht mehr nach Kritzendorf zurück. Das Bad fiel in einen Dornröschenschlaf. (Lisa Fischer).

Johann Reif (* 11. April 1887 in Wien; † 10. August 1949 in Kritzendorf) war ein österreichischer Politiker (SPÖ) und Hauptschuldirektor. Reif war von 1945 bis 1949 Abgeordneter zum Landtag von Niederösterreich.

Reif besuchte die Lehrerbildungsanstalt und trat 1906 in den Wiener Schuldienst ein. Er leistete seinen Militärdienst ab und geriet während des Ersten Weltkriegs in russische Kriegsgefangenschaft. Zuletzt war Reif beruflich als Hauptschuldirektor tätig, 1935 wurde er pensioniert. Im politischen Bereich engagierte sich Reif zwischen 1919 und 1934 als Gemeinderat in Kritzendorf.  1945 hatte Reif das Amt des Bürgermeisters von Kritzendorf inne. In dieser Funktion sowie als provisorischer Bäderverwalter kündigte er alle Pächter von Wochenendhäusern am Kritzendorfer Strombad, die durch Arisierung in deren Besitz gekommen waren (er nannte dies "Rück-Arisierung").

Er vertrat die SPÖ vom 12. Dezember 1945 bis zu seinem Tod im Niederösterreichischen Landtag.

(wikipedia)

1962 – Übernahme des Strombades durch die Stadtgemeinde Klosterneuburg (Rechnungshof,2002)

1977 – Einstellung des öffentlichen Badebetriebs.

 

2002 - Hundertjähriges Hochwasser

2013 – dreihundertjähriges Hochwasser

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